Willkommen bei bunterglaube.de – einem Angebot für LGBTQ+ Christinnen und Christen, für ihre Eltern, Geschwister und Angehörigen, die aus evangelikalen und freikirchlichen Gemeinden in Deutschland kommen oder dort noch beheimatet sind.
Wir sprechen ein Thema an, das viele Menschen bewegt und das trotzdem oft gemieden wird: das Spannungsfeld von christlichem Glauben und queerer Identität. Es geht dabei nicht nur um Homosexualität als Streitfrage, sondern um Menschen – darum, wie sie in ihren Gemeinden gesehen, verstanden und angenommen werden.
Warum wir gerade in diesem Spannungsfeld helfen wollen
Das Thema Homosexualität hat in den vergangenen Jahrzehnten zu tiefen Spannungen und schmerzhaften Spaltungen in Kirchen und Gemeinden geführt – von den großen Landeskirchen bis in evangelikale Freikirchen hinein. Auf der einen Seite steht ein traditionelles Schriftverständnis, das die Ehe exklusiv als Bund zwischen Mann und Frau versteht. Auf der anderen Seite steht die Überzeugung, dass das Evangelium zuallererst eine Botschaft bedingungsloser Liebe, Würde und Gerechtigkeit ist. Beide Seiten erleben ihre Position oft als Kernbestandteil des eigenen Glaubens – und genau das macht den Diskurs so schwierig.
Hinter dieser theologischen Debatte stehen aber keine Abstraktionen, sondern reale Menschen: Jugendliche, die in ihrer Gemeinde nie offen über sich sprechen konnten. Eltern, die zwischen der Liebe zu ihrem Kind und der Lehre ihrer Gemeinde zerrissen sind. Geschwister, die miterleben, wie ein Bruder oder eine Schwester sich zurückzieht oder ganz geht. Christinnen und Christen, die vor der Wahl stehen, entweder ihre Identität zu verleugnen oder ihre geistliche Heimat zu verlieren.
Wir glauben: Genau in diesem Spannungsfeld – zwischen ernsthafter Bibeltreue und echter Annahme von Menschen – braucht es Räume, die nicht ausweichen, sondern aushalten. Räume, die weder das eine noch das andere leichtfertig preisgeben, sondern beides ernst nehmen: die Frage nach der Autorität der Schrift und die Frage danach, was diese Lehre mit konkreten Menschen macht.
bunterglaube.de möchte deshalb Brücken bauen:
Diese Seite richtet sich an:
Wir schreiben bewusst nicht gegen bibeltreue Gemeinden an, sondern für Menschen, die in ihnen leben – und für Gemeinden, die bereit sind, ihre Lehre an ihren Früchten zu prüfen (Matthäus 7,15–20).
Es gibt unter Christinnen und Christen nicht nur eine legitime Auslegung der Bibel – das ist theologisch wie kirchengeschichtlich belegbar. Niemand liest die Bibel voraussetzungslos; wir alle bringen eine „hermeneutische Brille“ mit, geprägt durch Erziehung, Kultur, Biografie und Gemeindetradition. Diese Ehrlichkeit ist für uns ein erster, notwendiger Schritt – nicht, um den Glauben zu relativieren, sondern um den biblischen Texten wirklich zuzuhören, statt ihnen vorab vorzuschreiben, was sie zu bedeuten haben.
Zugleich orientieren wir uns an einem Kriterium, das Jesus selbst genannt hat: „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen“ (Matthäus 7,16). Wo eine Lehre Menschen in Scham, Isolation, Konversionstherapien oder gar in die Selbstaufgabe treibt, muss sie hinterfragt werden dürfen. Wo Gemeinden Menschen Heimat, Würde und verbindliche Beziehung ermöglichen, zeigt sich, was gute Frucht ist.
Wir wissen um die Forschungslage: Religiöse Zugehörigkeit, die für heterosexuelle Menschen oft schützend wirkt, kann sich bei schwulen, lesbischen und bisexuellen Menschen ins Gegenteil verkehren, wenn Zugehörigkeit an Bedingungen geknüpft ist. Das ist kein Vorwurf an den Glauben selbst – es ist ein dringender Appell an Gemeinden, ihre Praxis ernsthaft zu prüfen: durch ehrliche theologische Auseinandersetzung, pastorale Sensibilität, breitere Gesprächstische und den Mut zu unbequemen Fragen.
In den kommenden Wochen und Monaten werden wir hier verschiedene Materialien veröffentlichen, die die Auseinandersetzung mit diesem Thema erleichtern sollen – für Betroffene ebenso wie für Eltern, Angehörige und Gemeinden:
Wir enden nicht mit Verurteilung, sondern mit einer Bitte und mit Hoffnung.
Unsere Bitte richtet sich an alle Gläubigen: Nehmt dieses Thema ernst. Sprecht mit den Menschen in eurer Gemeinde, die schwul, lesbisch, bi oder trans sind. Hört ihnen zu. Versucht, ihre Erfahrungen zu verstehen – im Licht des Doppelgebots der Liebe (5. Mose 6,4–5; 3. Mose 19,18).
Unsere Hoffnung ist, dass Gemeinden lernen, Menschen zu lieben, bevor sie sie theologisch beurteilen (Römer 14,13). Glaube muss keine steinerne Festung sein, die um jeden Preis verteidigt wird. Glaube ist eine lebendige Beziehung – zu Gott und zueinander. Und lebendige Beziehungen brauchen Raum für Fragen, für Zweifel, für echtes Ringen.
Genau diesen Raum möchte bunterglaube.de anbieten.