Hier findest du den Podcast und das wörtliche Transkript des siebten Abschnitts.
Folge 7 – Folgen, Ausblick und Hoffnung
In dieser Folge:
Zum Abschluss der Reihe: alarmierende Studiendaten zu erhöhter Suizidalität queerer religiöser Menschen sowie ein Blick auf reale Entwicklungen in deutschen Freikirchen hin zu mehr Annahme. Die Folge endet mit persönlichen Geschichten und dem Aufruf, Menschen zu lieben, bevor man sie theologisch beurteilt.
Themen:
- Studiendaten zu Religion und Suizidrisiko bei queeren Menschen
- Vier Verpflichtungen für Gemeinden
- Entwicklungen in deutschen Freikirchen (EMK, FeG, Baptisten)
- Persönliche Geschichten: David, Nina, Frank
- Schlussgedanke: Glaube als Beziehung statt Festung
Hier ist das wörtliche Transkript des Audios, basierend auf den vorliegenden Quellenabschnitten:
Sprecher 1: Also, stell dir mal vor, du gehst jeden Sonntag an einen Ort, der eigentlich dein absoluter sicherer Hafen sein soll. Ein Ort, der dir Schutz verspricht, egal wie chaotisch die Welt draußen gerade ist.
Sprecher 2: Richtig? Ein Ort der totalen Geborgenheit.
Sprecher 1: Genau. Und dann stellst du plötzlich fest, dass genau diese Theologie, die dich eigentlich retten soll, statistisch gesehen dein Risiko erhöht, dir das eigene Leben zu nehmen. Äh, das ist ein paradoxer und ja, zutiefst erschütternder Gedanke, wenn das geistliche Rettungssystem plötzlich zur existenziellen Gefahr wird, zwingt uns das ähm sehr grundlegende Fragen über unsere Gemeindestrukturen zu stellen. Und um genau diese gewaltige Spannung geht es heute bei uns. Wir kommen zurück zu unserem Deep Dive. Wir schließen damit heute unsere Serie über Christophs Buch ab, über dessen theologische Grundlagen wir ja beim letzten Mal schon intensiv gesprochen haben.
Sprecher 2: Ja, und wie immer vorab der ganz transparente Hinweis. Das hier ist ein KI generierter Deep Dive. Ähm, wir nehmen uns heute die finalen Kapitel vor. Und ich finde, wir müssen direkt betonen, an wen sich dieser Abschluss eigentlich richtet. Das Zielpublikum ist nämlich enorm breit gefächert.
Sprecher 1: Absolut.
Sprecher 2: Es ist ein direkter Appell an LGBTQ Christinnen und Christen, an deren Eltern, Angehörige und Freunde, aber eben auch ganz ausdrücklich an die Brüder und Schwestern aus den Gemeinden, oder?
Sprecher 1: Genau. Und auch an eventuell konservativ denkende Gläubige. Das Buch will hier nicht einfach recht haben, sondern es ist eher eine Einladung des Autors. Die Einladung, die eigene Position mal zu überdenken und basierend auf realen Lebensrealitäten eine annehmende Perspektive einzunehmen. Wichtig ist uns vorab noch, und das betonen wir immer gerne, wir werden diese persönlichen Erfahrungen, die zitierten Studien und theologischen Schlussfolgerungen des Autors hier nicht als absolute Wahrheiten.
Sprecher 2: Richtig, wir beziehen hier absolut keine politischen Seiten.
Sprecher 1: Genau. Wir legen seine Argumentation einfach sachlich da, damit du als Zuhörer das nachvollziehen kannst, sozusagen als neutrale Beobachter.
Sprecher 2: Mhm. Und um die Wucht seiner Argumentation zu begreifen, müssen wir glaube ich zuerst verstehen, woher der Autor persönlich kommt.
Sprecher 1: Ja, seine eigene psychologische Ausgangslage. Also Christoph beschreibt eine Phase in seinem Leben, die fast zwei Jahrzehnte andauerte.
Sprecher 2: Wahnsinn, 20 Jahre.
Sprecher 1: Ja, 20 Jahre, in denen er wirklich jeden einzelnen Tag darum gebetet hat, von seiner Homosexualität, na ja, geheilt zu werden. Stell dir das mal vor.
Sprecher 2: Wenn man sich das psychologisch mal ansieht, wenn jemand fast zwei Jahrzehnte lang glaubt, er sei innerlich irgendwie kaputt, zeigt das die enorme Wucht von verinnerlicher Theologie.
Sprecher 1: Absolut. Und als dann nach 20 Jahren rein gar nichts passierte, da änderte er sein Gebet.
Sprecher 2: Er bat nicht mehr um Veränderung der Orientierung. Richtig.
Sprecher 1: Genau. Er bat plötzlich um Verständnis, um Gnade und Wahrheit. Er fragte im Grunde: „Herr, wer bin ich wirklich?“ Und er vergleicht dieses Ringen sogar mit Jakobs Kampf mit dem Engel aus Genesis 32.
Sprecher 2: Ah, ein wahnsinnig starkes Bild. Ein Kampf in der Nacht, aus dem man aber eben auch gesegnet hervorgeht.
Sprecher 1: Richtig. Und die Antwort für ihn war dann auch keine Änderung seiner Orientierung, sondern die Heilung von Scham und Selbstverachtung.
Sprecher 2: Das erklärt auch, warum er jetzt kein Blatt mehr vor den Mund nimmt. Die Heilung war die Akzeptanz.
Sprecher 1: Das hat mich total an eine Analogie erinnert. Also, stell dir vor, du versuchst 20 Jahre lang jeden Tag eine Maschine zu reparieren, bis du plötzlich erkennst, sie ist gar nicht kaputt.
Sprecher 2: Ja, sie wurde genauso gebaut. Und dieses Fazit, ich – ich bin schwul, ich bin Christ – ist für ihn eben kein Widerspruch mehr, sondern seine erlöste Wirklichkeit finde ich extrem faszinierend.
Sprecher 1: Definitiv. Aber Christophs innere Zerrissenheit ist leider kein Einzelfall. Und hier leitet der Autor im Buch dann den Blick auf die großen Gemeindestrukturen über. Ähm, er stützt sich da auf FTE empirische Daten oder um zu zeigen, was passiert, wenn so eine Lehrer auf Lebensrealität trifft.
Sprecher 2: Ganz genau. Er stellt eine sehr umfassende US-Studie vor, die zwischen 2016 und 2019 durchgeführt wurde mit fast 164 000 Befragten.
Sprecher 1: Krass, das ist wirklich repräsentativ.
Sprecher 2: Ja, publiziert im American Journal of Preventive Medicine in 2022. Und das alarmierende Ergebnis dieser Studie ist bei heterosexuellen Menschen senkt Religion das Suizidrisiko erwartungsgemäß.
Sprecher 1: Okay, also der Glaube als Schutzfaktor,
Sprecher 2: richtig, aber bei homosexuellen und bisexuellen Menschen kehrt sich dieser Schutz teilweise um.
Sprecher 1: Oh wow.
Sprecher 2: Besonders bei schwulen Männern und sexuellen Frauen steigen die Wahrscheinlichkeiten für Suizidgedanken und Versuche durch religiöse Teilnahme massiv an.
Sprecher 1: Okay, warte mal, ich muss da mal kurz kritisch nachhaken. Die Studie sagt also quasi, das was für die einen rettender Rettungsring ist, ist für die anderen ein Bleigewicht.
Sprecher 2: Mhm. Das trifft’s leider ziemlich genau.
Sprecher 1: Aber bedeutet das jetzt, dass der Glaube an sich das Problem ist?
Sprecher 2: Nein. Und da verneint der Autor ganz klar, nicht der Glaube ist das toxische Problem, sondern die Räume. Also Räume in denen zugehörig an ganz bestimmte Bedingungen geknüpft und die eigene Identität abgewertet wird.
Sprecher 1: Ah, verstehe.
Sprecher 2: Und aus diesen Daten leitet der Autor dann vier Verpflichtungen für Gemeinden ab, um das zu ändern. Erstens, eine theologische Auseinandersetzung,
Sprecher 1: also dass man die Empirie nicht einfach ignoriert oder als weltlich abtut.
Sprecher 2: Genau. Zweitens fordert er pastorale Sensibilität. Äh,
Sprecher 1: was meint er damit konkret?
Sprecher 2: Dass man in der Seelsorge die psychologische Verletzlichkeit der Menschen wahrnimmt und nicht nur Bibelverse über sie kippt, richtig? Und die Dritte Verpflichtung finde ich super spannend, breite Tische.
Sprecher 1: Ja, das heißt raus aus den Echokammern,
Sprecher 2: dass man auch die Betroffenen selbst hört, wenn man über sie spricht, ne?
Sprecher 1: Exakt. Und die vierte Verpflichtung ist dann der Mut zu unbequemen Fragen. Man muss prüfen, ob die eigene Praxis Menschen verletzt.
Sprecher 2: Und diese internen toxischen Dynamiken, also wenn das nicht geprüft wird, die bleiben ja nicht ohne externe Folgen,
Sprecher 1: überhaupt nicht. Das bringt uns direkt zu der Frage, wie die Kirche von außen wahrgenommen wird. Was bedeutet das denn für die Zukunft der Gemeinden? Ich meine, PR-Tnisch ist das doch ein Albtraum.
Sprecher 2: Das kann man so sagen. Der Autor zitiert Forschungen von David Kinnerman und Gabe Leons und die zeigen, dass gerade junge Menschen Christen primär mit der Ablehnung von Homosexualität verbinden.
Sprecher 1: Das ist ja quasi als Markenzeichen hängen geblieben.
Sprecher 2: Leider ja. Im US-Kontext extrem stark, aber eben auch bei uns in Deutschland. Da verweist er z.B. auf die Kirchenaustrittstudie des Bistums Essen oder auch den Bericht des Bundestages und die sechste Kirchenmitgliederschaftsuntersuchung.
Sprecher 1: Richtig.
Sprecher 2: Genau. Und die Daten aus Deutschland zeigen, es verlassen gerade jüngere Heterosexuelle in Scharen die Kirche.
Sprecher 1: Warte. Heterosexuelle.
Sprecher 2: Ja. Oft Akt der Solidarität und aus Gewissensgründen, weil sie die Abwertung queerer Menschen einfach nicht mehr mittragen wollen.
Sprecher 1: Das ist ja echt so, als hätte einen Unternehmen seinen Slogan komplett vergessen.
Sprecher 2: Ja, die eigentliche Kernbotschaft, also Gottes Liebe und diese ganzheitliche Annahme wird da komplett von einem Antiimage überlagert.
Sprecher 1: Und das Dramatische ist, wer aus Gewissensgründen geht, der kehrt selten zurück.
Sprecher 2: Das heißt, die Kirchen verlieren hier nicht nur Mitgliederbeiträge oder Zahlen in der Statistik.
Sprecher 1: Nein, sie verlieren ihre geistliche Glaubwürdigkeit und ihre Autorität. Der Autor argumentiert sehr scharf, dass ein reines Festhalten an dieser traditionellen Lehre zur Spaltung führt, weil diese Lehre eben von sehr vielen als lieblos wahrgenommen wird.
Sprecher 2: Genau das.
Sprecher 1: Okay, das klingt jetzt alles extrem düster. Gibt es denn im Buch auch positive Beispiele? Also ähm bewegt sich in der Praxis besonders in eher bibeltreuen Kreisen, überhaupt etwas?
Sprecher 2: Tatsächlich. Ja. Und das gizziert der Autor die differenzierten Entwicklungen in Deutschland sehr anschaulich, gerade in den Freikirchen.
Sprecher 1: Lass uns da mal reingehen. Was passiert da?
Sprecher 2: Nehmen wir mal die evangelischmethodistische Kirche, also die EMK. Die haben im November 2022 einen ziemlich bahnbrechenden Beschluss gefasst.
Sprecher 1: Inwiefern
Sprecher 2: einen Schluss zur umfassenden Integration. Das schließt Segnung und auch die Ordination quirer Menschen ein.
Sprecher 1: Wow. Okay. Aber gab es dann nicht einen riesigen Aufschrei?
Sprecher 2: Doch. Und genau deshalb ist dieser Beschluss gepaart mit einem Gewissenschutz für Pastoren und Gemeinden, die diesen Weg theologisch nicht mitgehen können.
Sprecher 1: Das ist natürlich ein schlauer Kompromiss, um das System zusammenzuhalten.
Sprecher 2: Definitiv. Und dann schaut er sich den Bund freier evangelischer Gemeinden an, die FEG.
Sprecher 1: Die sind ja offiziell eher sehr konservativ, oder?
Sprecher 2: Offiziell, ja. Aber sie gestehen die theologische Spannung zumindest ein. Und an der Basis gibt es Netzwerke wie Zwischenraum.
Sprecher 1: Ah, diese sogenannten Willkommensgemeinden. Er nennt er, glaube ich, die FEG Solingen auf der Höhe.
Sprecher 2: Richtig. Die positionieren sich seit 2022 ganz offen als Willkommensgemeinde.
Sprecher 1: Und wie ist das bei den Baptisten, also dem Bund evangelischfreichlicher Gemeinden?
Sprecher 2: Da haben wir ein kongregationalistisches System. Das heißt, die einzelnen Ortsgemeinden entscheiden völlig aut.
Sprecher 1: Also eine Topdown Anweisung.
Sprecher 2: Genau. Und als Beispiel nennt er die Berliner Friedenskirche, wo 2022 einfach die Trauung eines homosexuellen Paares stattfand.
Sprecher 1: Das bedeutet also im Umkehrschluss das alte Argument bibelorientiert heißt automatisch ablehnend. Das zieht gar nicht mehr.
Sprecher 2: Überhaupt nicht. Die Realität vor Ort ist längst ein totaler Flickenteppich.
Sprecher 1: Spannend.
Sprecher 2: Der Autor nutzt an der Stelle ein sehr bekanntes Jesus, um das einzuordnen. An ihren Früchten sollte sie erkennen. Aus Matthäus 7.
Sprecher 1: Ähm, also wenn eine Gemeinde quere Menschen integriert und dann wächst daraus gute geistliche Verbindlichkeit.
Sprecher 2: Dann muss man sich ehrlicherweise fragen, ob das nicht genau diese guten Früchte sind.
Sprecher 1: Absolut, das verschiebt die theologische Beweislast ja total.
Sprecher 2: Und er untermauert das mit Römer 15, Vers 7, nehmt einander an. Das sitzt für Christophen Grundton. Annahme kommt vor dem Misstrauen.
Sprecher 1: Das ist stark. Zum Schluss des Buches bringt der Autor all diese großen soziologischen Debatten dann ja wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Richtig.
Sprecher 2: Ja. Zu den ganz realen Menschen und den Konsequenzen für ihr Leben.
Sprecher 1: Das finde ich so wichtig, weil das ist der Moment, in dem theologische Debatten plötzlich ein echtes Gesicht bekommen. Es geht hier ja nicht um irgendein abstraktes Lehrthema.
Sprecher 2: Nein, es geht um Menschenleben. Er nennt im Schlusswort konkrete Namen, z.B. David,
Sprecher 1: der sich jahrelang hasste oder?
Sprecher 2: Genau, jahrelanger Selbsthass, bis er endlich eine offenere Gemeinde fand, in der er durchatmen konnte.
Sprecher 1: Oder Nina, die Geschichte ist auch heftig.
Sprecher 2: Sie hat sich geautet und wirklich über Nacht ihr komplettes Sozial Umfeld verloren. Sie wurde aus ihrer Gemeinschaft systematisch weggeekelt.
Sprecher 1: Das muss man sich mal vorstellen. Und dann ist da noch Frank.
Sprecher 2: Frank war in einer charismatischen Gemeinde. Dort hörte er ständig, er bete einfach nicht genug für seine Heilung.
Sprecher 1: Dieser unglaubliche Druck, der da auf ihn abgewälzt wurde, das hat ihn am Ende in den Suizid getrieben.
Sprecher 2: Ja, und der Autor vergisst auch nicht die Tausen, die in sogenannten Konversionsprogrammen teilweise unfassbar traumatisiert wurden.
Sprecher 1: Eben es geht um David, um Nina, um Frank, der Autor unterstreicht hier mit Römer 14:13 eine große Bitte und Hoffnung, dass wir lernen, Menschen zu lieben, bevor wir sie theologisch beurteilen, weil Liebe und Glaube eigentlich kein zerstörerischer Konflikt sein müssen.
Sprecher 2: Ganz genau.
Sprecher 1: Okay, wenn wir die Reise unseres Deepdives jetzt mal zusammenfassen. Wir sind gestartet bei Christophs 20-jährigen Ringen.
Sprecher 2: Wir haben uns die erschütternden Statistiken zu Suizidalität angesehen.
Sprecher 1: Genau. Und dann aber auch die mutigen differenzierten Schritte in den deutschen Freikirchen beobachtet.
Sprecher 2: Alles mündet in dieser tiefenüberzeugung des Autors des Liebe und Wahrheit sich nicht ausschließen.
Sprecher 1: Und da greift er am Ende noch ein ganz bestimmtes Bild auf, richtig?
Sprecher 2: Ja, sein allerletztes Bild. Und ich möchte das gerne so umformulieren, dass es eine direkte Frage an dich, unseren Zuhörer, ist
Sprecher 1: schieß los.
Sprecher 2: Was wäre, wenn der Glaube im Gegensatz zu Gott gar keine steinerne Festung ist? Eine Festung, die man um jeden Preis und ohne Rücksicht auf Verluste verteidigen muss?
Sprecher 1: Mhm.
Sprecher 2: Was passiert, wenn wir aufhören den Glauben wie eine Burg zu bewachen und ihn stattdessen als das Leben, was er eigentlich ist und zwar eine Beziehung, in der Fragen, Zweifel und echtes menschliches Wachstum auch erlaubt sind.
Sprecher 1: Genau. Eine Beziehung.
Sprecher 2: Das ein wahnsinnig provokanter und starker Schlussgedanke. Wir laden dich ein, genau diese Frage in deinen eigenen Alltag mitzunehmen.
Sprecher 1: Ja. In die eigene Familie oder auch die Gemeinde?
Sprecher 2: Vielleicht verändert das ja die Perspektive. Wir danken dir jedenfalls von Herzen, dass du heute wieder dabei warst und mit uns in diese komplexen Themen eingekauft bist. Pass auf dich auf und wir hören uns beim nächsten Mal.
